Für Menschen mit schwerer Behinderung ist nichts wie für Gesunde – auch der Sex nicht. Trotz zaghafter Schritte hin zur sexuellen Befreiung bleibt ihr Bedürfnis ein Tabu. Vielen bleibt nur der Weg zu Prostituierten.
Die Entscheidung war Matthias Vernaldi nicht leicht gefallen. Er – und eine Nutte. Er, der evangelische Theologe, der linke Intellektuelle, der Umweltaktivist. Er, der Mann im Rollstuhl. Doch “dann siegten meine Gefühle über meine Moral” erinnert sich der 52-Jährige heute, mehr als zehn Jahre danach in seiner Altbauwohnung in Berlin-Kreuzberg und lächelt schief. Afrikanische Skulpturen auf dem Sideboard, ein ausgestopfter Steinkauz neben blauen Schmetterlingen hinter Glas, am wuchtigen Tisch der kleine bewegungslose Mann mit dem lichten Vollbart und der blauen Decke über den von Muskelschwund dünn gewordenen Beinen.
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