wie geht es dir ?

„Hallo, – Mensch lange nicht gesehen – wie geht es dir ?“
„Och toll – mir geht es gut – und Dir ??“
„Auch super.“
So, oder ähnlich fangen 1000 Gespräche an. Oft nur eine Floskel – manchmal sogar echtes Interesse. Ein paar Worte die in unserem Sprachgebrauch fester Bestandteil geworden sind, um ein Gespräch zu beginnen. Fast wie automatisiert werden diese Worte als Ergänzung an das höfliche „Guten Tag“ angehangen. Alles kein Problem , (? ) solange man vom „Gegenüber“ weis, dass dieser gesund ist. Es ist nicht zu erwarten das irgend etwas belastendes zur Sprache kommt.
Ganz andere Erfahrungen machte ich mit dem “bekannt werden” meiner Krankheit. Gerade am Anfang merkte ich das die schon erwähnten „Höflichkeitsfloskeln“ eine ganz neue Form annahmen. Plötzlich blieb es bei den Wünschen für einen guten Tag. Die Erkundigungen nach der Gesundheit wurden einfach weggelassen. Ich geh mal davon aus das dies nicht mit der Verrohung der Gesellschaft zu tun haben kann. Eher genau umgekehrt.  Ich erkläre mir das mit dem fehlenden Mut oder einfach falscher Scham. Will man doch nicht den Finger in die Wunde legen. Vielleicht liegt es auch an der Unzugänglichkeit über ein Thema zu reden – zu dem man keinen, oder eventuelle falschen Zugang hat.
Heute – nach Jahren hat sich mein „wissendes“ Umfeld in zwei Gruppen aufgeteilt. Die einen wünschen mir einen „Guten Tag“ – und die anderen wollen wirklich wissen wie es mir geht. Und weil das so gut tut, kann ich die Fragen meist positiv Beantworten.
Chr!ss!
9/2004

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