Nach einer fast 8-stündigen gemütlichen Fahrt bei hoch sommerlichen Temperaturen und mit vielen eingelegten Pausen erreichte ich Damp mit einem Kälteschock. Mit jedem Kilometer näher an die Küste fiel das Thermometer auf unter 10° C. Aber die Sonne strahlte vom blauen Himmel.
Mit 5-Minütiger Verspätung zu der angegebenen spätesten Anreisezeit, schien man schon auf mich zu warten. Im Eiltempo wurde ich durch verschiedene Stationen geschliffen, musste unendlich Formulare unterschreiben und bekam gleich einen Stapel Papiere, die ich bitteschön zu studieren hätte. Dann wurde mir mein Zimmer gezeigt und schon hatte ich mein „Reich“ für mich… „Verdammt“ – dachte ich mir, warum hat man mir nur gezeigt wie man ZU meinem Zimmer kommt, und nicht wie der Weg auch zurück führt … Unmöglich für mich, der Weg durch die Stationen und Aufzugfahrten aus der Erinnerung zurück zu finden. Also „durchfragen“ bis ich endlich wieder am Empfang angelangt war. Dann schnell das Gepäck ins Zimmer geschafft, den schon bald stand der erste Termin an. „Hausführung“ für Neuankömmlinge. Ehrlich gesagt – richtig mitbekommen habe ich davon nichts mehr …
Dann noch ein Abendessen – und ab aufs Zimmer, das ich FAST auf Anhieb gefunden habe.
Nur noch schlafen – dachte ich … und mit dem Gedanken „ ICH WILL HEIM“ bin ich dann eingeschlafen…
Am nächsten Morgen war die Welt schon wieder in Ordnung. Denn als ich aufwachte strahlte mir die Sonne ins Gesicht. Und mir fiel wieder ein, das ich damals – als ich in der Planung meiner Reha war, bei einem Telefongespräch mit einer Dame dieser Klinik sagte, das ich nur kommen würde, wenn ich ein Zimmer mit Seeblick hätte. Meinen Scherz hat sie wohl als Ernst aufgefasst …
Essen nach Plan.
Das eine gewisse Ordnung bei der Essensvergabe in einem Haus dieser Größenordnung gelten muss, kann ich voll und ganz nachvollziehen – aber das was in Damp praktiziert wird, ist schon sehr durch geordnet … Es gibt ca 16 ( in Worten : sechzehn ) Speiseräume, in denen sich dann jeweils 4 Essensgruppen nach und nach einfinden … hört sich erst mal schlimm an, ist es aber nicht. Dadurch kommt nicht dieser „Großer Ess-Saal“ Charakter auf. Aber weil eben Ordnung seine Ordnung haben muss, sitzt Man(n) und Frau immer am gleichen Tisch auf dem gleichen Platz – und wenn man Pech hat, muss man auch immer mit den gleichen Tischnachbarn den Tisch teilen.
Damp liegt nun mal im Norden – da kann man nix machen …
Man muss ja nicht gleich Prinz-Karneval sein, wenn man aus dem Kölner Rheinland stammt. Lachen und viel Humor liegt aber im Blut vieler, wenn nicht fast aller, – na ja .. man kann schon sagen „ALLER“ Kölner Rheinländer … und Kontaktfreudig sind sie obendrein. Aber die Konversation bei Tisch in der „voll geordneten Reha-Klink-Damp“ ist schon etwas anstrengend …
Bist du schon länger hier in Reha?
Jou
Wie lange schon?
3 Wochen
Und? – war die Reha erfolgreich, – hat sie dir was gebracht ?
Jou
Schweigen …. Dann starte ich einen weiteren Versuch …
Warum bist du hier in Reha?
Wegen dem Knie.
Ach, – du hast ein künstliches Knie bekommen?
Jou
Klappt aber schon ganz gut mit dem Laufen – was ich so bei dir gesehen habe …
jou
Der Tischnachbar ist fertig mit dem Essen – steht auf und geht …
Beim Umdrehen – nur für eine Sekunde, sah man ein zartes Lächeln an seinen Mundwinkeln.
Das ist der pure Luxus.
Zuerst fand ich es echt blöde – so ein Krankenbett zu haben, aber dann sah ich nur Vorteile. Abgesehen davon – das man in dem Bett auch schlafen kann, hat es mannigfach andere Möglichkeiten. So kann man mittels der 1ooo Knöpfe ( ok – etwas übertrieben ) So ziemlich alle Positionen per Knopfdruck einstellen.
Heute gönnte ich mir nach dem Mittagessen ( übrigens wieder mit so einer erfrischenden Konservation) eine kurze „Mittags-Enspannungs-Augenpflege“. Als ich also so in meinem 1000 Knöpfe High-Tech Bett lag und meine Blicke aus dem Fenster wichen – wurde meine Sicht durch ein störendes Balkongeländer getrübt. Schon blöde – so ein Stahlgestell vor einem Sandstrand mit sonnigem Horizont und rauschendem Wasser … Ich kam auf die Idee die Technik, die sich mir bot auch zu nutzen … ganz lässig auf eins der 1000 Knöpfe gedrückt und das Bett hob sich Zentimeter um Zentimeter … Fast hatte ich schon Angst zwischen Bett und Zimmerdecke einzuklemmen … aber so ein „Tausendknöpfebett“ hat natürlich auch einen automatischen Sicherheitsstopp. Oben angekommen – war mein Blick aufs Meer nun ungetrübt … ich schlief entspannt ein und träumte davon was ich euch als nächstes schreiben werde …
... die Füße werden schwer … die Füße werden schwer … du merkst jetzt wie die Schwere langsam die Beine heraufsteigt … das, was ich versuche möglichst zu ignorieren steigt in mir auf … aber was auf dem Therapieplan steht, wird auch gewissenhaft abgearbeitet.
… Konzentriere dich ganz auf deinen Beine … deine Beine werden müde … ganz schwer werden deinen Beine – deine Beine werden gaaanz schwer … es brodelt in meinen Füßen – es sticht in meinen Waden. Was schwätzt der da – dieser Dipl. Psychologe…. Autogenes Training steht auf dem Plan. Ruhig soll ich werden – statt dessen konzentriere ich mich auf meine kribbelnden Beine und würde sie am liebsten in diesem Moment abstöpseln. Ganz schwer werden deine Beine …. ich bin zum bersten gereizt … noch ein Wort von schweren Beinen und ich haue dem Typ eine rein …
Meine kognitiven Defizite sollen aufgemöbelt werden … ich sitze am PC und fahre eine Autostraße ab. Schilder rasen an mir vorbei. Vorgeschriebene Tempo 30 Zone, ein Motorrad kommt auf den Gegenbahn entgegen … dann ein Schild „Vorfahrtstraße“ aus dem Augenwinkel erkenne ich nun ein Schild mit Höchstgeschwindigkeit 90 Kmh. Schwups … rast ein PKW an mir vorbei. Dann wird die Vorfahrt aufgehoben. Ich versuche alles aufzunehmen und im Gehirn zu speichern. Heee – was war das gerade für ein Schild ??? 30 oder 60 Kmh. Und bin ich noch auf der Vorfahrtstraße oder wurde die bereits aufgehoben – und überhaupt, jetzt darf ich wieder 90 fahren. So geht das Wechselspiel noch gefühlte 120 Sekunden weiter. Dann endlich das Ziel …
Das war spannend … und hat richtig Spaß gemacht … wäre da nicht die abschließende Frage auf dem Bildschirm erschienen.
„welche Farbe hatte der 3. PKW der dir entgegenkam, wurde der Wagen von einem Mann oder Frau gesteuert und wie heißt der Hund auf der Rückbank ???“
OK – da waren sie wieder … meine kognitiven Störungen…
Alles in Allem war die Kur erfolgreich.