Ich habe in meinem Arbeitsleben einiges erreicht. Mit viel Mut und Fleiß habe ich es bis in die Führungsetage geschafft. Als technischer Abteilungsleiter und Konzessionsinhaber saß ich auf einem recht krisensicheren Arbeitsplatz. Geschenkt bekam ich nichts. Die Arbeitstage waren lang. Aber ich tat es nicht umsonst. Es wurden bereits Überlegungen angestellt mich mit einer Teilhaberschaft am Unternehmen zu belohnen. Auf dieser Vertrauensbasis glaubte ich aufbauen zu können. Ich hatte den ein oder anderen Tag mal wegen Krankheit gefehlt aber im laufenden Jahr 1997 häuften sich die Tage. Auch meine Erschöpfungszustände konnte ich nicht weiter ungeklärt “vertuschen”. In meiner Naivität glaubte ich fest an ein Verständnis meiner Kollegen und meines Arbeitgebers. Als ein Mensch der gerne mit offen Karten spielt – eröffnet ich in einem Gespräch wie es um meine Gesundheit gestellt war. Mit großer Erleichterung wurde mir große Solidarität entgegengebracht und versichert das “wir das Kind schon geschaukelt bekommen”. Heute weiß ich das mit verlassen des Gesprächsraumes, meine Zukunft in diesem Unternehmen beendet war. Nach nur wenigen Wochen wurden bereits einige Teamgespräche ohne mich abgehalten. Man plante ohne mich. Eine zweiwöchige Abwesenheit wegen eines Schubes hat die Situation nicht verbessert. Informationen wurden bewusst an mir vor beigesteuert. Auch einige Kollegen ließen sich für das von oben angestiftete Mobing begeistern. Mittlerweile war im Besitz einer anerkannten Behinderung und kam in den Genuss einer Unkündbarkeit. Dennoch was der “Psychoterror” sehr groß. Ihn mache ich auch verantwortlich für einen weiteren Krankenhausaufenthalt kurz vor Weihnachten 97. Immerhin kam mein Chef mich am Krankenbett besuchen. Nicht um mir vielleicht Beistand zu geben sonder mir zu erklären das er mit mir nicht mehr kalkulieren kann. Es tat das sehr gefühlvoll, in dem er sagte das ich eine tickende Zeitbombe für das Unternehmen sei. Natürlich bekam ich wieder das volle Programm. Kortison, MRT, EKG und und und … Dem Ergeiz von einem jungen Ärzteteam habe ich es zu verdanken das ich zum Versuchsobjekt wurde. Ungereimtheiten in den Untersuchungsergebnissen spornte das Ärztekollegium zu immer neuen Diagnosen an. Zu guter letzt wurde alles und nichts in Frage gestellt. Pünktlich zu Weihnachten war ich dann wieder zu Hause. Mittlerweile spielte ich in der Firma nur noch eine Statistenrolle. Zu Teamgesprächen wurde ich gar nicht mehr geladen. Ich quittierte das mit Desinteresse und lustlosen Absitzen meiner Arbeitszeit. Denn mittlerweile wurde ich auch der Arbeit beraubt – Hoffte man doch ich würde entnervt und freiwillig den Platz räumen. Die ungeheure psychische Belastung hatte dann auch zu Folge, dass ich im Sommer 98 eine weiter Verschlechterung erfuhr und ein weiteres mal ins Krankenhaus musste. Ich habe mir nur mein Kortison abgeholt – auf weitere langwierigen Untersuchungen wollte ich lieber verzichten. Ich wurde auch diesmal mit dem Hinweis, dass es vielleicht ja überhaupt keine MS ist, entlassen. Ich habe das sehr beherzigt und beschlossen keine MS mehr zu haben. Ok – ich hatte was – aber was es was wollte mir keiner mit Gewissheit sagen. Ich trat daraufhin meinen schon geplanten Sommerurlaub an. Die Erholung was ausgezeichnet. Ich fühlte mich gut wie lange nicht mehr. Als wir dann wieder nach Haus kamen lag in der Post ein Kündigung meiner Arbeitsstelle. Es folgte ein Rechtsstreit den ich ohne Probleme gewonnen hätte, denn ich war aufgrund meiner Behinderung unkündbar. Aber was hätte schon ein gewonnene Auseinandersetzung gebracht. Noch mehr Mobing – Stress und Ärger. Nein dem wollte ich mich nicht aussetzen. Wir trennten uns ein halbes Jahr später mit einem sehr schmerzvollen Vergleich für meinen ehemaligen Arbeitgeber. Als ich das letzte mal das Firmengebäude verlassen hatte, ging ich mit dem guten Gefühl das ich auch weiterhin die Situation in den Griff bekomme. Was sollte mich denn auch daran hindern, ich laufe ja noch.