Von Mann zu Mann

Gut bestückt mit einem dicken Stapel MRT-Bildern sitze ich im Wartezimmer meines neuen Neurologen. Ob ich hier wirklich richtig bin, schießt es durch meinen Kopf. Um mich herum sitzen Menschen, die das Rentenalter eigentlich schon längst überschritten haben müssten. Ich komme mir irgendwie deplatziert vor. Erst das erscheinen einer weitere Person – eine junge Frau in meinem Alter, lässt mich wieder hoffen doch beim richtigen Arzt zu sein. Was dann folgte, war ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit mit Auswertung aller MRT-Bilder. Geschickt und sehr gefühlvoll wurden mögliche Verlaufsformen beschrieben. Schocken konnte mich dieses Gespräch nicht mehr, aber es zeigte mir sehr eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten auf. Ein Möglichkeit – und diese sollte ich auch sofort aufnehmen, war die Verabreichung von Kortison. 5 x 500 ml … wow dachte ich, beim Orthopäden hatte ich mal eine Kortisonspritze bekomme. Aber diese hatte nur 3 ml Kortison. Ich erbat mir kurzzeitige Bedenkzeit, denn danach sollte ich nicht Arbeiten gehen können. “Ob da nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird”, machte ich mir so meine Gedanken – ist sicher nicht nötig, denn ich laufe ja noch.

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